Warum ich mich für Frauen starkmache – und wie Du das auch kannst!

2015 startete eine ungewöhnliche Gegenbewegung zum Feminismus der dritten Welle, die zu Beginn der 90er Jahre anrollte. Viele Frauen fanden, dass der Feminismus ausgedient hätte, überholt sei und völlig unnötig geworden. Sie wollten sich bewusst von diesem Begriff und dem Stempel der Feministin distanzieren und posteten Bilder von sich mit Schildern und Aussagen, warum sie den Feminismus nicht brauchten – ihn sogar regelrecht ablehnten.

Zum Teil konnte ich das sogar irgendwie verstehen. In einer Umfrage von ELLE in 2014 bekannten sich nur 9% von 5000 befragten Frauen als Feministinnen. Und auch in meinem Kopf hatte ich selbst lange den Eindruck: Wenn ich mich als Feministin bezeichnen würde, müsste ich sofort danach aufhören, mir die Beine und Achseln zu rasieren, Männer ab sofort ganz verallgemeinernd als den Feind ansehen, der mich unterwerfen und kleinhalten will, und sofort jeden verprügeln, der es wagt, mir die Tür aufzuhalten oder die Rechnung beim Date zu bezahlen.

Viele Frauen in unserer Gesellschaft denken, die Gleichberechtigung ist bereits erreicht.

Mich konnte ich bis vor Kurzem noch zu ihnen zählen. Uns geht es ja eigentlich ganz gut, wozu also das Boot zum Schwanken bringen?! Letztendlich ist allerdings auch das nur wieder der innere, anerzogene Drang, das liebe, nette Mädchen sein zu wollen. Bloß nicht zu unverschämt wirken oder gar weitere Forderungen zu stellen.

Aber irgendwann bekam mein Bild der scheinbaren Gleichberechtigung feine Risse.

Angefangen im Sommer 2014, angestoßen durch eine simple Nachfrage der Teilnehmerin eines Workshops, den ich für alleinreisende Frauen angeboten hatte, habe ich mich zum ersten Mal ernsthaft mit der Frage beschäftigt, ob ich nun eigentlich eine Feministin bin, sein möchte oder werden will. Seitdem, und ganz besonders im letzten Jahr, habe ich alles an Material verschlungen, was ich dazu in die Hände bekommen konnte, und tue es bis heute. Ich lese Bücher, Artikel und Dossiers dazu, durchwühle das Internet nach Dokumentationen, gründete einen passenden Buchclub und sammele alles an Informationen an, was ich auftreiben kann. Ich wusste, ich würde in diesem Themenbereich nie zur Wissenschaftlerin oder Politikerin werden, aber ich war wissensdurstig und gewillt, alles dazu zu lernen, was ich über Feminismus wissen sollte.

Das Ergebnis? Ich erkannte sehr schnell, wie blind ich eigentlich gewesen war.

Wie privilegiert und behütet ich aufgewachsen war und leben konnte und dass – obwohl weil wir in der westlichen Welt teilweise den Eindruck haben, im Vergleich mit anderen Kulturen die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau bereits erreicht zu haben – wir noch weit davon entfernt sind, sie unsere Realität nennen zu können. Aber ich erkannte auch, dass ich, als Teil vom berühmt-berüchtigten 1% der Weltbevölkerung, dem mittlerweile (fast) alle Türen offen stehen, endlich meine Stimme dafür nutzen wollte, die 99% zu stärken und zu unterstützen, die sie selbst noch nicht haben.

Was für mich nicht nur darin besteht, mich für schwächere und benachteiligte Frauen in anderen Kulturen und Ländern starkzumachen, sondern auch für die Frauen in unserer westlichen Gesellschaft, um die Gender Gap bei uns nicht erst in 170 Jahren, wie letztes Jahr prophezeit, sondern deutlich früher zu schließen. Denn auch wenn es arrogant und hochmütig wirken mag, sind starke und erfolgreiche Vorbilder, wie wir es damit sein können, doch genau das, was Menschen motiviert, auch für sich selbst einzustehen, in welchem Maße auch immer oder mit welchen noch so kleinen Möglichkeiten, die sie haben mögen.

Aber über welche Benachteiligungen rede ich hier eigentlich? Wie sieht die Gender Gap, die tiefe Furche zwischen den Möglichkeiten, die Männer und Frauen haben, eigentlich aktuell und in unserer Gesellschaft aus? Im Alltag muss ich gestehen, merke ich persönlich wenig davon.

Vielleicht liegt es daran, dass ich als Selbständige mein Gehalt und auch meine Gehaltserhöhungen selbst bestimmen kann und keinen Chef darum bitten brauche; oder mich nicht fragen muss, ob mein männlicher Kollege, der die gleichen Aufgaben und Pflichten erfüllt wie ich, am Monatsende deutlich mehr Geld auf sein Konto überwiesen bekommt. Und, ja, das gilt auch für Deutschland.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich als Mädchen nicht gezwungen war, meine Schulbildung für eine arrangierte Ehe oder wegen einer ungewollten Schwangerschaft aufzugeben. Während mir die Schule (und vor allem der Matheunterricht ab der 11. Klasse) eher wie ein notwendiges Übel vorkam, haben 62 Millionen Mädchen nicht einmal die Möglichkeit, überhaupt eine entsprechende Bildung zu erhalten. Während ich noch genervt in der 9. Klasse saß und mit Grauen daran dachte, dass ich noch vier weitere die Schulbank drücken musste, waren 250 Millionen Mädchen in meinem Alter auf der Welt bereits verheiratet und hatten teilweise schon Kinder.

Während ich mir also im Schatten dieser Zahlen und grausamen Tatsachen wie eine verwöhnte Göre vorkomme, die überhaupt nicht zu schätzen wusste, wie viel Glück sie hatte, das Gymnasium besuchen zu können und ihr Abitur zu machen, gibt es über 500 Millionen Frauen auf der Erde, die noch nicht einmal die Möglichkeit bekommen haben, lesen zu lernen.

Wäre ich zum Beispiel in Nepal statt in Deutschland geboren worden, dann wäre meine Chance 50:50 gewesen, schon vor meinem 18. Geburtstag geheiratet zu haben und bereits als Teenie Mutter geworden zu sein. Mir vorzustellen, dass die Kinder, die ich mit 18 Jahren babygesittet habe, meine eigenen hätten sein können und wie meine Zukunft damit im Vergleich zu dem Leben ausgesehen hätte, das ich heute führe, lässt mich in kalten Schweiß ausbrechen.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich noch nie vergewaltigt wurde und damit (noch) nicht zu einer von 7 Frauen in Deutschland zähle, der in ihrem Leben schwere sexuelle Gewalt angetan wird. Dass ich mich daher auch anschließend nie einem Rechtsspruch wie diesem stellen musste: „Die knappen Feststellungen, nach denen der Angeklagte der Nebenklägerin die Kleidung vom Körper gerissen und gegen deren ausdrücklich erklärten Willen den Geschlechtsverkehr durchgeführt hat, belegen auch nicht die Nötigung des Opfers durch Gewalt. Das Herunterreißen von Kleidung allein reicht zur Tatbestandserfüllung nicht aus.“ nachdem ich den Mut aufgebracht und die Scham überwunden habe, meinen Täter anzuzeigen, mit der Gewissheit vorab, dass er in über 90% der Fälle sowieso nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

Ja. Feminismus, und damit lediglich die Gleichstellung von Mann und Frau, das Recht einer Frau auf Bildung, auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper – nicht mehr und nicht weniger – ist wirklich völlig überholt und unnötig geworden.

Frauen sind nicht gleichgestellt. Schau Dir jedes Parlament in der Welt an, jede politische, finanzielle, soziale, kulturelle und bildende Institution der Welt, und Du siehst diese Realität.

Fakt ist allerdings: Sie sollten es aber sein.

Der Moment, in dem mir diese beiden Punkte klar wurden und ich für mich erkannt habe, dass ich zu 100% hinter diesen Aussagen stehen kann, wurde zu dem Moment, in dem ich auch offen dazu gestanden habe, eine Feministin zu sein.

Und vielleicht ist er es auch für Dich, genau in dieser Sekunde.

Wenn Du diesen beiden Aussagen zustimmst, stehst auch Du hinter dem Feminismus. Ganz egal, ob Du Dich nun öffentlich dazu bekennst oder nicht. Tust Du es nicht, stehst Du hinter dem Sexismus dieser Welt. Das gilt für Männer genauso wie für Frauen. Ob Du nun willst oder nicht.

Was bringt mir also nun die Erkenntnis, dass Feminismus ganz und gar nicht überflüssig oder elitär ist? Es lässt in mir vor allem den Wunsch aufflammen – völlig ohne Kritik – einfach nur augenöffnend, auch anderen Frauen den Spiegel der Realität vorhalten zu wollen.

Ihnen aufzuzeigen, was ich nun gelernt, gelesen und gesehen habe, und uns damit zusammenzubringen, zu einer Gruppe, die Feminismus endlich wieder als das ansieht, was er sein sollte:

die Definition und Einstellung einer Frau, die das Leben führt, das sie sich wünscht, das sie sich selbst ausgesucht und frei wählen konnte. Und andere Frauen darin unterstützt, motiviert und beflügelt, ihr eigenes genauso zu gestalten.

Das Image des Wortes „Feminismus“ an sich, ist ein Problem, keine Frage. Es ist einfach immer noch mit Aggressionen und dem Ablegen der Weiblichkeit behaftet und hat gleichzeitig trotzdem das Wort „feminin“ in sich – was es Männern hingegen schwermacht, sich damit zu identifizieren. Anstatt uns aber weiterhin an diesem Wort aufzuhängen und damit eine komplette Bewegung lahmzulegen, sollten wir uns einfach Tatsachen dahinter stellen:

Tatsache ist, es gibt einfach kein besseres Wort für die Bewegung der Gleichstellung der Frau. Und Tatsache ist auch, er ist weiterhin wichtig und wird gebraucht. Ein weiterer Grund, warum viele Menschen noch nicht sehen wollen, dass es immer noch diesen starken Bedarf für Feminismus gibt, ist der, dass Feminismus auch immer noch den Mythos hinter sich herschleift, dass Männer automatisch verlieren, wenn Frauen gewinnen. Stattdessen ist das Gegenteil der Fall:

Wenn Frauen gewinnen, gewinnen wir alle.

Statistisch gesehen sind Frauen der größte Antrieb jeder Wirtschaft. Wenn Kinder- und erzwungene Ehen, unbezahlte Arbeit beendet und sexuelle Rechte und das Recht der freien Entscheidung über den eigenen Körper, wie zum Beispiel Verhütung, Abtreibung oder der weiblichen Beschneidung, garantiert werden, profitiert die gesamte Gesellschaft davon. Nicht nur Frauen.

Es geht also im Feminismus nicht darum, sich über Männer stellen zu wollen. Auch nicht, als Frau die Karriere grundsätzlich dem Familienwunsch vorzuziehen. Es geht im Feminismus nicht darum, die eigene Weiblichkeit abzulegen, abzuerkennen oder zu verleugnen. Nagellack in pink oder rosa, hochhackige Schuhe oder falsche Wimpern können und dürfen genauso zu einer Feministin gehören wie ein androgyner Kurzhaarschnitt oder eine Boyfriend-Jeans. Mütter, Selbständige, Ärztinnen, Friseurinnen, Mechanikerinnen, Hausfrauen, Striptease-Tänzerinnen, Männer – jede und jeder von ihnen kann sich hinter den Feminismus stellen und Frauen unterstützen.

Feminismus wird nicht durch unsere Kleidung, unser Geschlecht, unser Aussehen oder unsere Stellung in der Gesellschaft definiert, sondern durch die Einstellung in unseren Köpfen.

Damit, was wir sagen, wie wir handeln, wie wir unsere Kinder erziehen, wie wir andere Frauen behandeln, was wir unterstützen, vorleben und erreichen wollen. Große Ziele und das Aufbrechen von Grenzen und Glaskuppeln machen uns als Frauen zu Feministinnen, nicht die Farbe unserer Kleidung oder die Wahl unseren Lebensstils. Mutige und starke Unterstützung von Frauen ohne Ängste vor Bedrohung oder dem Verlust von Stellung machen Männer zu Feministen. Das Bild, das in unseren Köpfen bei den Worten „Feministin“ oder „Feminist“ erscheint, ist damit das einzige, was überholt und unnötig geworden ist und dringend neu erschaffen werden muss.

Was wir aber zuerst dabei verändern müssen, ist, damit aufzuhören, uns als Frauen auch noch gegenseitig Knüppel zwischen die Beine zu werfen, und endlich anzufangen, am gleichen Strang zu ziehen. Eine starke, selbstbewusste und ambitionierte Frau hat es nicht nötig, sich von anderen starken Frauen bedroht zu fühlen. Ganz im Gegenteil. Solche Frauen im Rücken zu haben, lässt uns als Einzelne sämtliche Ungerechtigkeiten aus der Welt schaffen. Und vielleicht ist der einzige Grund, warum wir es noch nicht geschafft haben, die Gender Gap zu schließen, der, dass wir immer wieder als Einzelne versuchen, mit unserem Schicksal zu kämpfen, statt die Kraft der Gemeinschaft zu unserem Vorteil zu nutzen.

Für mich ganz persönlich war es in den letzten Jahren schwierig, sich an den Gedanken zu gewöhnen, mehr und mehr eine Person des öffentlichen Interesses zu werden. Und ich habe lange nach der Berechtigung dafür gesucht, einer guten Begründung oder einem guten Zweck, warum ich Teile meiner Privatsphäre und auch der natürlichen Distanz zwischen fremden Menschen und mir aufgebe, die mehr wäre als ein Gehaltsscheck oder ein Ego-Boost.

Erst in diesem Jahr habe ich erkannt, dass ich den kleinen Grad an Bekanntheit, den ich als Autorin und Online-Unternehmerin gewonnen habe und wohl auch weiter erlangen werde, dafür nutzen kann, etwas zu bewegen, das über das Reisen und das Online-Business hinausgeht. Dass ich andere Frauen und auch Männer für die Idee gewinnen kann, gemeinsam mit mir etwas in der Welt zum Besseren zu bewegen.

Und Feminismus ist das, woran ich mit ganzem Herzen hängen geblieben bin.

Was mich immer wieder entsetzt, bewegt, berührt, begeistert und wütend hat werden lassen. Manchmal sogar alles zur gleichen Zeit. Etwas, wohinter ich zu 100% stehen kann und für das ich mich starkmachen möchte. Vielleicht reicht ein Leben dafür nicht aus, aber Hunderte, vielleicht sogar Tausende vereint können eine Bewegung kräftig voranbringen.

Dieser Artikel ist also mein Aufruf an Dich, Dich mir anzuschließen.

Ich stelle mich ab sofort hinter Dich, stärke Dir den Rücken, unterstütze Dich und feuere Dich aus Deinem Windschatten aus an – und ich hoffe, hinter mir steht schon jemand bereit, um das Gleiche für mich zu tun. Anstatt uns weiterhin gegenseitig misstrauisch zu beäugen, uns den hart erkämpften Erfolg zu neiden, Angst davor zu haben, unsere Stellung durch eine andere Frau zu verlieren oder hinter dem Rücken bewundernswerter Frauen schlecht über sie zu reden, müssen wir endlich lernen, zusammenzuarbeiten.

Es ist eine Sache, ein Problem zu erkennen. Es ist eine ganz andere, die Hand zu heben und zu sagen: Ich möchte die Lösung sein!

Jessica Alba

Mach mit mir gemeinsam auf diese und viele andere Missstände aufmerksam, hilf mir dabei, diese Tatsachen und Fakten weiter zu verbreiten, Augen zu öffnen, Diskussionen anzuregen und aufrechtzuerhalten, die Hand in die Richtung anderer Frauen auszustrecken, zu helfen, zu unterstützen, und wenn nötig für faire und gleichberechtigte Behandlung in allen Bereichen einzustehen und fest daran zu glauben, dass wir – gemeinsam – etwas verändern können!

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